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Simson Schwalbe
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top
Die Simson Schwalbe ist ein Kleinkraftrad der DDR, das von Simson in Suhl hergestellt wurde. Die erste Baureihenbezeichnung der Schwalbe ab 1964 lautet KR 51. Die Buchstaben âKRâ stehen dabei fĂŒr Kleinroller, die â5â fĂŒr die GröĂe des Hubraums von 50 cmÂł und die â1â dient der Unterscheidung zum VorgĂ€nger, dem KR 50.
Die Schwalbe darf (mit Ausnahme von Re-Importen) in Deutschland trotz der zulĂ€ssigen Höchstgeschwindigkeit von 60 km/h als Kleinkraftrad mit einem Versicherungskennzeichen zulassungsfrei und in allen BundeslĂ€ndern bereits mit 15 Jahren gefahren werden (FĂŒhrerscheinklasse AM). Weitergehende Informationen dazu im Artikel Simson S 51.
Contents
âą Allgemeines
âą Baureihe KR 51
âą Baureihe KR 51/1
âą Modell KR 51/1 S
âą Modell KR 51/1 K
âą Technische Daten
âą Baureihe KR 51/2
âą Modell KR 51/2 N
âą Modell KR 51/2 E
âą Modell KR 51/2 L
âą Technische Daten
⹠Zubehör
âą Export
âą Ersatzteillage
âą Vorteile
âą Nachteile
âą Literatur
âą Weblinks
âą Einzelnachweise
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Allgemeines
Die Schwalbe war 1964 das erste Modell der damals neuen Vogelserie von Simson. Insgesamt gab es drei Baureihen mit zusammen neun Modellen der Schwalbe. 1986 wurde sie durch den neu konstruierten Kleinroller SR 50 abgelöst. Mit mehr als 1 Million gebauten Exemplaren war sie in der DDR auĂerordentlich stark verbreitet und ist noch heute Bestandteil des StraĂenbildes. Zahlreiche Bauteile der Schwalbe finden sich im dreirĂ€drigen Krause-Duo wieder. In Westdeutschland wurde die Schwalbe nicht angeboten, deshalb existieren auch keine Neupreise in DM.
Die Schwalbe kann in Deutschland entsprechend einer Ausnahmeregelung trotz der Höchstgeschwindigkeit von 60 km/h als Kleinkraftrad mit einem Versicherungskennzeichen zulassungsfrei gefahren werden (FĂŒhrerscheinklasse AM) und benötigt demzufolge auch keine Hauptuntersuchung.
Seit Sommer 2017 vertreibt der in MĂŒnchen ansĂ€ssige Hersteller GOVECS unter demselben Namen E-Schwalbe einen Elektroroller, der ursprĂŒnglich am ehemaligen Simson-Standort Suhl von der efw Suhl GmbH entwickelt wurdecite-ref-1[1] und dessen Formgestaltung an die Simson Schwalbe angelehnt ist.cite-ref-myschwalbe-2-0[2] Der Schwalbe-Schriftzug und der GepĂ€cktrĂ€ger wurden ebenso wie das Konzept eines Motorrollers mit vergleichsweise groĂen LaufrĂ€dern von der Simson Schwalbe ĂŒbernommen, davon abgesehen weisen die Fahrzeuge jedoch kaum technische Gemeinsamkeiten auf.
Entwicklungsgeschichte
1958, bei Erscheinen des KR 50, begannen entsprechend dem internationalen Trend die Arbeiten an einem zweisitzigen Nachfolgermodell. Leitender Konstrukteur war Erhard Werner, der bereits seit 1949 bei Simson angestellt war. Die Schwalbe wurde jedoch im Kollektiv mit Karl-Heinz Walther und Georg SchĂŒbel entwickelt. Bald zeigte sich, dass fĂŒr den Zweipersonenbetrieb ein deutlich stĂ€rkerer Motor vonnöten war. 1960 wurde mit der Erprobung von vier Prototypen begonnen, die teilweise zweifarbig lackiert waren. Nach dem Lastenheft von 1962 war der Typ KR 51 als Kleinkraftrad ohne Geschwindigkeitsbegrenzung konzipiert und auf eine Höchstgeschwindigkeit von 68 km/h ausgelegt. Damit sollte â dem damaligen Weltstandsvergleich folgend â ein auch im Westen konkurrenzfĂ€higes Kleinkraftrad geschaffen werden. Nach Verhandlungen mit den zustĂ€ndigen Ministerien wurde die Geschwindigkeit jedoch 1963 auf 60 km/h begrenzt. Dazu wurde die Ăbersetzung im dritten Gang geĂ€ndert. Der Typ KR 51 wurde zwar als Kleinroller mit gutem Wetterschutz entworfen, aber die Anordnung des Motors, Aufbau und Fahreigenschaften zeigen, dass es sich weniger um einen Roller, als um ein blechverkleidetes Mokick handelt. Vergleicht man mit dem VorlĂ€ufer KR 50, fĂ€llt eine inkonsequente Weiterentwicklung der Form auf, was in der notwendigen Beibehaltung kostspieliger Tiefziehwerkzeuge begrĂŒndet lag. Karl-Heinz Walther, einer der Konstrukteure der Schwalbe meint: Wer ein GefĂŒhl fĂŒr Ăsthetik hat, kann die Schwalbe kaum als schön bezeichnen.cite-ref-3[3] Die KFT urteilte 1964, dass es mit der Schwalbe dennoch gelungen sei, den vor allem im Heckbereich als missglĂŒckt bezeichneten KR 50 zu einem insgesamt ansprechenden Fahrzeug weiterzuentwickeln. Gelobt wurde vor allem die Gestaltung des vorderen KotflĂŒgels, der eine nahezu ideale Lösung fĂŒr ein Fahrzeug mit Langarmschwinge darstelle.cite-ref-4[4]
Der geblĂ€segekĂŒhlte 3-Gang-Motor M53 KHLcite-ref-5[5] war eine Neuentwicklung und bereits an der GelĂ€ndesportmaschine GS 50 erprobt worden. Er sollte anders als der bisherige Motor nicht mehr in Sömmerda, sondern direkt bei Simson produziert werden. Dies verzögerte die SerieneinfĂŒhrung der Schwalbe erheblich, weil zuerst eine entsprechende TaktstraĂe in Simsons Werkhallen errichtet werden musste. Die Erprobung der Schwalbe-Funktionsmuster wurde so lange durchgefĂŒhrt, bis eine Haltbarkeit des Grundaufbaus ĂŒber 40.000 km erreicht wurde. 1963 wurden 20 Nullserienfahrzeuge gebaut. Nach dem offiziellen Serienstart im Februar 1964 traten insbesondere wegen fehlender bauartgenehmigter RĂŒckstrahler zunĂ€chst UnregelmĂ€Ăigkeiten in der Produktion auf. Ab April 1964 konnte Simson dann die Schwalbe regelmĂ€Ăig ausliefern. Ein Vergaser, der den AnsprĂŒchen des neuen Motors gerecht wurde, stand erst 1965 zur VerfĂŒgung. Bis dahin musste die Schwalbe mit dem Typ NKJ-135-5, einem leicht modifizierten Vergaser des VorgĂ€ngers KR 50, ausgeliefert werden.cite-ref-6[6]
Konstruktionsmerkmale
Das RĂŒckgrat der Schwalbe bildete wie schon beim VorgĂ€ngertyp KR 50 ein Doppelrohrrahmen. Das Fahrwerk basierte auf einer neuen Vollschwingenkonstruktion, wobei der vordere SchwingentrĂ€ger anders als ĂŒblich Ă€uĂerlich nicht sichtbar im KotflĂŒgel angeordnet war. Die Federwege betrugen 105/85 mm vorn/hinten, die Federbeine waren anfangs reibungsgedĂ€mpft, spĂ€ter wurden modellabhĂ€ngig auch hydraulische DĂ€mpfer verwendet. Die LaufrĂ€der (Alufelgen) waren mit 16âł vergleichsweise groĂ fĂŒr einen Kleinroller. Die Vollnaben-Trommelbremsen wurden im Vergleich zum KR 50 auf 125 mm Durchmesser vergröĂert, wodurch eine Verzögerung des Fahrzeugs von 7 m/sÂČ erreicht wurde.cite-ref-7[7] Vorderes und hinteres Laufrad waren gleich und lieĂen sich durch Steckachsen sehr einfach demontieren, wobei der Hinterradantrieb wegen der zweigeteilten Steckachse komplett an der Hinterradschwinge verbleiben konnte. Praktisch war zudem die vollgekapselte Kette nach MZ-Patent.
Der Zylinder des 50-cmÂł-Einzylinder-Zweitakt-Ottomotor hatte einen Druckguss-AluminiumkĂŒhlrippenkörper und eingepresste Laufbuchsen aus Grauguss. Er leistete mit zunĂ€chst 3,4 - spĂ€ter 3,7 PS deutlich mehr als der Motor des KR 50. Das handgeschaltete Getriebe wurde auf 3 GĂ€nge erweitert, spĂ€ter kamen AusfĂŒhrungen mit FuĂschaltung und 4-Gang-Getriebe hinzu. Die Ansaugluft wurde durch einen Ălnetzfilter gereinigt, der Vergaser mit separatem Leerlauf- und Start-System kam von BVF (auĂer 1964/65). Der KraftstoffbehĂ€lter fasste 6,8 l und befand sich unter der Sitzbank. Die Blechverkleidung mit Beinschild und Trittbrettern Ă€hnelte jener des KR 50. Neu war die Doppelsitzbank; der groĂzĂŒgige GepĂ€cktrĂ€ger mit verstellbarem Spannband des KR 50 konnte dennoch beibehalten werden. Der gekröpfte Lenker war nicht höhenverstellbar. Seinerzeit fĂŒr ein Kleinkraftrad ĂŒberdurchschnittlich war die elektrische Ausstattung, die auch Batterie, Blinker, Bremslicht, Lichthupe und Parkleuchte umfasste. Die Schwalbe war das erste Fahrzeug im Kfz-Bau der DDR, das einen Kabelsatz mit Flachsteckverbindungen besaĂ.
Baureihe KR 51
Die erste Generation der Schwalbe wurde unter der allgemeinen Typenbezeichnung KR 51 ohne Zusatz von 1964 bis 1968 produziert. Der geblĂ€segekĂŒhlte 3-Gang-Motor wurde anfangs nur mit Handschaltung, ab 1965 wahlweise mit FuĂschaltung angeboten. Als Farbe war das typische, krĂ€ftige Atlantikblau im Angebot, auĂerdem Tundragrau sowie Verkehrsorange. Schwalben der ersten Jahre unterscheiden sich in vielen Details von spĂ€teren JahrgĂ€ngen, was sie heute im Originalzustand zu gesuchten RaritĂ€ten macht. So war die Form der Blinker anders, der KippstĂ€nder aus Stahl und in Fahrzeugfarbe lackiert, ein Katzenauge am Fahrzeugheck montiert, der Kettenkasten aus Aluminium, die Sitzbank mit Chromrahmen etc. Die AnsauggerĂ€uschdĂ€mpfung fiel eher spĂ€rlich aus, was zu einem krĂ€ftig-kernigen Motorklang fĂŒhrte. Beteiligt daran war auch die recht einfache Auspuffanlage. Bei der recht hohen Nenndrehzahl von 6500 minâ1 traten deutliche Vibrationen auf.
Der Motor benötigte als Kraftstoffgemisch entsprechend der damaligen ĂlqualitĂ€t 1 : 33. Ab 1965 wurde ein verbesserter Vergaser mit einem separaten Start- und Leerlaufsystem eingebaut, wobei der Kraftstoffverbrauch im Teillastbereich gesenkt werden konnte.cite-ref-8[8] Dabei entfiel auch die TupferbetĂ€tigung und die Choke-Bedienung wurde vom Blech unter dem Lenker an den Lenkergriff verlegt. Auch der neue Vergaser reizte die Möglichkeiten der Abgasverringerung jedoch nicht aus, der Lambda-Wert im Teillastbereich verbesserte sich lediglich von etwa 0,65 auf 0,75 und im Leerlauf von 0,45 auf 0,55.cite-ref-9[9]
Trotz des noch nicht optimal konstruierten Motors wurde der KR 51 den Anforderungen des Zweipersonenbetriebs gerecht. Bei voller Beladung konnten im 3. Gang noch Steigungen bis 3 % bewÀltigt werden (Solo bis 5 %), und im 1. Gang betrug die Steigleistung bei voller Belastung 15 %, bzw. 25 % Solo. Die Beschleunigung (Solo) von 0 auf 40 km/h betrug 9 s; 60 km/h wurden nach 40 s erreicht.cite-ref-10[10] Im Testbericht der KFT von 1964 wurde die nicht sehr bedienungsfreundliche Handschaltung kritisiert. Davon abgesehen wurde die Schwalbe allgemein gelobt und im Gegensatz zur parallel angebotenen Jawa 05 sei sie auch dem Zweipersonenbetrieb in jeder Hinsicht voll gewachsen. Der Kraftstoffverbrauch betrug 3 l/100 km, die Höchstgeschwindigkeit 64 km/h.cite-ref-11[11]
| | KR 51 |
|---|---|
| Bauzeit | 1964â1968 |
| Motor | M 53 KHL |
| BohrungxHub | 40 Ă 39,5 mm |
| Hubraum | 49,6 cmÂł |
| Verdichtung | 9,5:1 |
| Leistung | 3,4 PS / 6500 min â1 |
| Drehmoment | 3,7 Nm / 6000 min â1 |
| KĂŒhlung | RadialgeblĂ€se |
| ZĂŒndung | MagnetzĂŒndung mit Unterbrecher |
| Vergaser | NKJ 153-5 von BVF ; ab 1965 Typ 16 N1-1 |
| Getriebe | 3-Gang- FuĂschaltung & Handschaltung |
| Rahmen | Doppelrohr |
| RadfĂŒhrung vorn | geschobene Langarmschwinge mit reibungsgedĂ€mpftem Federbein (105 mm Federweg) |
| RadfĂŒhrung hinten | Schwinge mit reibungsgedĂ€mpftem Federbein (85 mm Federweg) |
| Bremsen | Trommeln vorn/hinten; 125 mm Durchmesser |
| Bereifung | 2,75 Ă 16" (alte Bezeichnung 20 Ă 2,75) |
| Scheinwerferleistung | 15/15 W |
| Radstand | 1190 mm |
| LÀnge à Breite à Höhe | 1815 mm à 745 mm à 1125 mm |
| Leergewicht | 79 kg |
| Gesamtmasse | 230 kg |
| Höchstgeschwindigkeit | 60 km/h |
| StĂŒckzahl | 163.500 |
Baureihe KR 51/1
Ab 1968 wurde die Schwalbe unter der Bezeichnung KR 51/1 mit ĂŒberarbeitetem Motor gefertigt. Dieser verfĂŒgte bei kaum verĂ€nderter Leistung ĂŒber ein deutlich gesteigertes Drehmoment, das zudem bereits bei 5000/min anlag. Dadurch verbesserten sich ElastizitĂ€t, Beschleunigung und Steigvermögen. Das Ansaugsystem wurde stark vergröĂert und bestand fortan aus dem âLambda-Topfâ am Vergaser, einem voluminösen Helmholtz-ResonanzbehĂ€lter hinter dem Getriebeblock und einem langen Gummischlauch, der bis unter den Lenker fĂŒhrte, wo sich auch der Luftfilter befand und die Luft einströmte. Neben einer wirksamen AnsauggerĂ€uschdĂ€mpfung brachte dieses System noch eine geringfĂŒgige Leistungssteigerung auf 3,6 PS mit sich.cite-ref-12[12] Damit besaĂ die Schwalbe nun eine etwas höhere Leistung als der ebenfalls ĂŒberarbeitete Star SR4-2/1. Zur Senkung des GerĂ€uschpegels trug auch eine ĂŒberarbeitete Auspuffanlage bei. Durch Ăberdrehen des Motors konnte â noch leichter als zuvor â eine Geschwindigkeit von mehr als 60 km/h erreicht werden, da die Leistung bei Drehzahlen oberhalb des Leistungsmaximums nur zögerlich abfiel. Im Testbericht wurde ein durchschnittlicher Verbrauch von 2,85 l/100 km ermittelt.cite-ref-kft1968-13-0[13]
ĂuĂerlich war die ĂŒberarbeitete Schwalbe KR 51/1 vom bisherigen Modell nur durch die Form des KrĂŒmmers und Auspuffs zu unterscheiden. Auch das Farbprogramm blieb zunĂ€chst unverĂ€ndert. Von der Fachpresse wurde die Kritik an der angeblich mangelhaften Formgestaltung der Schwalbe erneuert und ein baldiger Modellwechsel eingefordert,cite-ref-kft1968-13-1[13] der jedoch nicht stattfand. Stattdessen gab es im Laufe der 1970er Jahre nur einige VerĂ€nderungen im Detail. Gummi- und Plasteteile sowie die Sitzbank wurden schwarz statt beigefarben ausgefĂŒhrt. 1974 wurde der Auspuff verĂ€ndert, zu erkennen an einem flach abgerundeten EndstĂŒck statt bisher spitz zulaufend. Dabei verĂ€nderte sich erneut das Klangbild der Schwalbe. Um 1972 wurde der hintere Bremsnocken nach auĂen verlegt, was eine bessere Nachstellbarkeit der Hinterradbremse ermöglichte. Die anfĂ€nglich unregelmĂ€Ăige Form des RĂŒckspiegels wich einem rechteckigen Spiegel. Dieser wiederum wurde 1975 durch einen schwarzen runden Spiegel abgelöst.
Wichtig war die Umstellung des oberen Pleuellagers von Bronzebuchse auf Nadellagerung, womit das nötige Gemisch trotz der seinerzeit mangelhaften ĂlqualitĂ€t von 1:33 auf 1:50 reduziert werden konnte. Die Umstellung erfolgte 1975/76 ab Motornummer 1900508 (M53/1 KF), 0299554 (M53/1 KH) und 0540333 (M53/11 AR).cite-ref-14[14] Ferner wurden ab Mitte 1976 der Kupplungshebel und der Vorderradbremshebel aus Kunststoff gefertigt. Bei der nur noch selten ausgelieferten Variante mit Handschaltung wurden die Bedienhebel aus Metall wie auch der graue rechteckige RĂŒckspiegel beibehalten.
Anders als die anderen Modelle der Vogelreihe wurde die Schwalbe ĂŒber das Jahr 1975 hinaus weitergebaut. Als BegrĂŒndung wurde im Jahr 1979 offiziell herangezogen, dass sich die Schwalbe einer sogar steigenden Nachfrage und Beliebtheit erfreue und eine besonders geglĂŒckte Konstruktion darstelle.cite-ref-kftjun79-15-0[15]
Modell KR 51/1 und KR 51/1 F
Diese beiden Grundmodelle waren mit reibungsgedĂ€mpften Federbeinen ausgestattet. Typische Farbe war ein krĂ€ftiges Blau. Bis 1973 war auĂerdem die Farbe tundragrau im Angebot. Zum Schalten des Getriebes hatte das Modell KR 51/1 F eine FuĂschaltwippe. AuĂerdem wurde in geringer StĂŒckzahl weiterhin die Handschaltung mit Schaltdrehgriff am Lenker gefertigt. Etwa 1977 gab es die auf 625 mm verlĂ€ngerte Sitzbank.
Modell KR 51/1 S
Diese Roller-SonderausfĂŒhrung hatte als wichtigstes Unterscheidungsmerkmal eine automatische, fliehkraftgesteuerte Lamellenkupplung. Die Einschaltdrehzahl lag bei 2300/min und die Fassdrehzahl (vollstĂ€ndig geschlossene Kupplung) bei 4000/min, wobei die erforderlichen Drehzahlen abhĂ€ngig von Einflussfaktoren auf den Reibwert in der Fahrpraxis erheblich schwanken konnten. Um Gewicht und Abmessungen der Kupplung gering zu halten, wurde eine selbstverstĂ€rkende Komponente ergĂ€nzt, die ein relativ frĂŒhes Einkuppeln gewĂ€hrleistete. Bei einem Gangwechsel wurde die Kupplung (unabhĂ€ngig von der Motordrehzahl) durch BetĂ€tigen der Schaltwippe automatisch mit getrennt, indem ein Druckstift das Lösen der Kupplung von einer StĂŒtzscheibe bewirkte.cite-ref-16[16] Nach etwas Eingewöhnung ist diese Variante vor allem im dichten Stadtverkehr von Vorteil. In ZuverlĂ€ssigkeit und Langlebigkeit steht die automatische Kupplung fĂŒr sich genommen der gewöhnlichen AusfĂŒhrung in nichts nach. Allerdings lĂ€sst sich die S-Schwalbe bei eventuellen Startproblemen nicht anschieben, und ein einwandfreies, stabiles Leerlaufverhalten ist besonders wichtig, da der Motor nicht jederzeit mit Gas geben âam Leben gehaltenâ werden kann.cite-ref-kft1968-13-2[13] Dies ist nicht unproblematisch, da der Einzylinder-Zweitaktmotor zu instabilen Leerlaufdrehzahlen neigt.
Die auĂenliegende 12-Volt-ZĂŒndspule der S-Schwalbecite-ref-17[17] brachte eine Erhöhung der Scheinwerferleistung auf 25 Watt mit sich. Die S-Schwalbe war auĂerdem mit komfortablen hydraulisch gedĂ€mpften Federbeinen ausgestattet, die (nur bei diesem Modell) verchromte HĂŒlsen trugen. Eine neu geformte, lĂ€ngere Sitzbank vervollstĂ€ndigte die gehobene Ausstattung. Die Lackierung erfolgte zunĂ€chst in OlivgrĂŒn, wobei die Lenkerschale beige lackiert wurde. 1978 wurde auf die Farbe Signalrot umgestellt. Zu erkennen gibt sich der Typ auch am Schriftzug âSchwalbeSâ und dem fehlenden Kupplungshebel.
In den 1960er Jahren gab es bei Kraftfahrzeugen einen allgemeinen Trend zur Automatisierung von SchaltvorgĂ€ngen, der bei der Kundschaft in Europa aber nur wenig Anklang fand. Mit dem Typ KR 51/1 S wollte Simson diesem Trend folgen. Doch auch in der damaligen DDR blieb die Nachfrage hinter den Erwartungen zurĂŒck. Simson entschied sich daher, die Komfortmerkmale auch mit herkömmlicher Schaltung anzubieten. Heraus kam dabei das populĂ€re Modell K. Die Schwalbe mit automatischer Kupplung wurde 1980 ersatzlos aus dem Sortiment gestrichen. Noch lĂ€nger fand diese Kupplung im Duo Verwendung, wo sie den BedĂŒrfnissen von Menschen mit Gehbehinderung entgegenkommen sollte. Die Fliehkraftkupplung wurde auĂerdem auch im Simson SL1 verwendet.
Modell KR 51/1 K
Bei dieser Variante des Kleinrollers wurden Motor und Elektrik der Grundausstattung mit den Komfortmerkmalen der S-Schwalbe kombiniert. Die hydraulisch gedĂ€mpften Federbeine verbesserten Fahrkomfort und Bodenhaftung der RĂ€der erheblich. Ferner bot die lĂ€ngere Sitzbank gĂŒnstigere Voraussetzungen fĂŒr den Soziusbetrieb, ab etwa 1977 wurde jedoch auch das Grundmodell mit dieser Sitzbank ausgestattet. Ansonsten unterschied sich das K-Modell noch durch die Lackierung vom Grundtyp: Es gab sie in PastellweiĂ mit goldfarbenem Schriftzug (ab 1978 in Saharabraun und dem gewöhnlichen silbernen Schriftzug).
Technische Daten
| | KR 51/1 | KR 51/1 F | KR 51/1 K | KR 51/1 S |
|---|---|---|---|---|
| Bauzeit | 1968â1980 | 1968â1980 | 1974â1980 | 1968â1980 |
| Motor | M53/1 KH | M53/1 KFR | M53/1 KFR | M53/11 AR |
| Hubraum | 49,6 cmÂł | 49,6 cmÂł | 49,6 cmÂł | 49,6 cmÂł |
| Verdichtung | 9,5:1 | 9,5:1 | 9,5:1 | 9,5:1 |
| Leistung | 2,65 kW (3,6 PS) / 5700/min | 2,65 kW (3,6 PS) / 5700/min | 2,65 kW (3,6 PS) / 5700/min | 2,65 kW (3,6 PS) / 5700/min |
| Drehmoment | 4,71 Nm bei 5000/min | 4,71 Nm bei 5000/min | 4,71 Nm bei 5000/min | 4,71 Nm bei 5000/min |
| KĂŒhlung | RadialgeblĂ€se | RadialgeblĂ€se | RadialgeblĂ€se | RadialgeblĂ€se |
| ZĂŒndung | MagnetzĂŒndung mit Unterbrecher | MagnetzĂŒndung mit Unterbrecher | MagnetzĂŒndung mit Unterbrecher | MagnetzĂŒndung mit Unterbrecher |
| ZĂŒndspule | 6 Volt | 6 Volt | 6 Volt | 12 Volt |
| Vergaser | 16 N 1-5 von BVF | 16 N 1-5 von BVF | 16 N 1-5 von BVF | 16 N 1-5 von BVF |
| Getriebe | 3-Gang- Klauengetriebe | 3-Gang- Klauengetriebe | 3-Gang- Klauengetriebe | 3-Gang- Klauengetriebe |
| SchaltbetĂ€tigung | Handschaltung, manuelle Kupplung | FuĂschaltung, manuelle Kupplung | FuĂschaltung, manuelle Kupplung | FuĂschaltung, halbautomatische Fliehkraftkupplung |
| Rahmen | Doppelrohr | Doppelrohr | Doppelrohr | Doppelrohr |
| RadfĂŒhrung vorn | geschobene Langschwinge mit reibungsgedĂ€mpften Federbeinen | geschobene Langschwinge mit reibungsgedĂ€mpften Federbeinen | geschobene Langschwinge mit hydraulisch gedĂ€mpften Federbeinen | geschobene Langschwinge mit hydraulisch gedĂ€mpften Federbeinen |
| RadfĂŒhrung hinten | Langschwinge mit reibungsgedĂ€mpften Federbeinen | Langschwinge mit reibungsgedĂ€mpften Federbeinen | Langschwinge mit hydraulisch gedĂ€mpften Federbeinen | Langschwinge mit hydraulisch gedĂ€mpften Federbeinen |
| Bereifung | 2,75 Ă 16" (alte Bez. 20 Ă 2,75) | 2,75 Ă 16" (alte Bez. 20 Ă 2,75) | 2,75 Ă 16" (alte Bez. 20 Ă 2,75) | 2,75 Ă 16" (alte Bez. 20 Ă 2,75) |
| Scheinwerfer | Bilux 15/15 W; 6 Volt | Bilux 15/15 W; 6 Volt | Bilux 15/15 W; 6 Volt | Bilux 25/25 W; 6 Volt |
| Gewicht | 80 kg | 80 kg | 80 kg | 83,5 kg |
| Nutzlast | 180 kg | 180 kg | 180 kg | 176,5 kg |
| Höchstgeschwindigkeit | 60 km/h | 60 km/h | 60 km/h | 60 km/h |
| Neupreis | 1265 Mark | 1265 Mark | 1350 Mark | 1400 Mark |
| StĂŒckzahl | 25 000 | 350 000 | 185 000 | 44 600 |
Baureihe KR 51/2
Diese letzte Baureihe der Schwalbe wurde von 1980 bis zum 31. MĂ€rz 1986 produziert. Wesentliche Neuerung war der neu konstruierte, fahrtwindgekĂŒhlte 3,7-PS-Motor M541. Dieser Motor war sparsamer, elastischer und mit wahlweise drei oder vier GĂ€ngen, mit Unterbrecher oder kontaktloser HochspannungskondensatorzĂŒndung lieferbar. Mit der verĂ€nderten MotoraufhĂ€ngung und der verringerten Nenndrehzahl (5500 minâ1) wurden die Vibrationen an Lenker, Trittbrett und Sitzbank erheblich reduziert. Auch das Getriebe wurde neu konstruiert, die bisherige Klauenschaltung wurde auf Ziehkeilschaltung umgestellt. Auf Fahrpraxis und ZuverlĂ€ssigkeit wirkte sich die Umstellung des Schaltprinzips kaum aus, jedoch konnte nun die 4-Gang- und perspektivisch auch eine 5-Gang-Variante (ab 1997 im MS 50 Sperber) mit wenig Ănderungsaufwand angeboten werden. FĂŒr den Einbau des neuen Motors in die Schwalbe wurde eine RahmenĂ€nderung erforderlich. Sie bestand im Wegfall des Mittelstegs durch die nicht mehr nötige AufhĂ€ngung des Zylinderkopfs, dafĂŒr gab es zusĂ€tzliche VerstĂ€rkungsbleche an der hinteren MotoraufhĂ€ngung.cite-ref-kftsept79-18-0[18]
Durch den Wegfall des GeblĂ€ses verringerte sich der GerĂ€uschpegel, jedoch war der Motorlauf etwas rauer als bisher. Der Schutz vor Ăberhitzung war nun nicht mehr optimal, jedoch weiterhin ausreichend, zumal die KĂŒhlung durch die BĂŒndelung des Luftstroms im Motortunnel gegenĂŒber den S 51-Modellen noch gĂŒnstig ausfiel. Nur in Extremsituationen wie langen, steilen Bergauffahrten bei hohen AuĂentemperaturen konnte nun ein Ăberhitzen auftreten. Insgesamt stellte der Motor einen deutlichen Fortschritt dar. Sein gröĂter Vorteil ist, dass er sein Drehmoment bereits bei vergleichsweise niedrigen Drehzahlen entfaltet. In der Praxis bedeutet es, dass nicht so frĂŒh zurĂŒckgeschaltet werden muss bzw. eher hochgeschaltet werden kann. Mit dem 4-Gang-Getriebe trat eine zusĂ€tzliche Verbesserung ein. Auch der Kraftstoffverbrauch lag mit nun 2,6 l/100 km um gut 10 % gĂŒnstiger als bisher.cite-ref-kftsept79-18-1[18] In Verbindung mit der kontaktlosen ZĂŒndung (nur in der L-Ausstattung) kann dieser Motor auch heute noch als wirtschaftlich gelten.
Weitere technische Ănderungen: Die Hinterradbremse wurde von Bowdenzug auf GestĂ€ngebetĂ€tigung umgestellt, dadurch konnte die unerwĂŒnschte Seilzug-ElastizitĂ€t vermieden und die Ansprechzeit verkĂŒrzt werden.cite-ref-kftsept80-19-0[19] Die Elektrikbauteile wurden unter das vordere Abdeckblech verlegt, der vorher dort sitzende Luftfilter saĂ nun direkt vor dem Vergaser; lediglich das Ansaugrohr fĂŒr die Luft verblieb unter dem Knieblech. AuĂerdem wurde die Leistung der Bremsleuchte von 18 auf 21 Watt erhöht. Die Scheinwerferleistung lag nun bei allen Modellen bei mindestens 25 Watt. Der RĂŒckspiegelarm wurde um 50 mm verlĂ€ngert, die SchlieĂzahl des Lenkerschlosses erhöht und die Trittbrettform geringfĂŒgig geĂ€ndert.cite-ref-kftsept79-18-2[18] Der Ladestrom fĂŒr die Batterie wurde erhöht.
ĂuĂerlich ist die /2er-Typenreihe kaum von ihren VorlĂ€ufern zu unterscheiden. Die Abgasanlage wurde auf die rechte Fahrzeugseite verlegt. Damit wurden der Ausbau des Hinterrades sowie das BetĂ€tigen des KippstĂ€nders erleichtert die Verbrennungsgefahr verringert. Ins Auge fĂ€llt auĂerdem das runde RĂŒcklicht vom S 50. 1983 wurde es durch das gröĂere, ebenfalls runde RĂŒcklicht BSL 122 ersetzt, das mit drei statt bisher zwei Schrauben befestigt wurde. AuĂerdem sind die /2er an einem generell schwarz lackierten Lenkerblech mit einer etwas anderen Form zu erkennen.
Die Fachpresse lobte 1980 die unzweifelhaft hohen QualitÀten der Schwalbe. Auch wenn die Formgestaltung nicht mehr dem Zeitgeist entsprach, war die Nachfrage nach wie vor steigend.cite-ref-kftsept80-19-1[19]
Modell KR 51/2 N
Dieser generell mit FuĂschaltung ausgestattete Grundtyp erhielt den neuen Motor in 3-Gang-AusfĂŒhrung. FĂŒr die Radfederung wurden weiterhin reibungsgedĂ€mpfte Federbeine eingesetzt. Im Gegensatz zu den N-AusfĂŒhrungen anderer Simsonmodelle verfĂŒgte die N-Schwalbe ĂŒber Batterie und Blinker und auch ĂŒber 25 Watt Scheinwerferleistung. StĂŒckzahl: 90.800. Die Lackierung erfolgte zunĂ€chst traditionell in Blau und ab 1983 in Saharabraun. Damit schied das typische Blau aus der Farbpalette aus.
Modell KR 51/2 E
Dieses Modell war mit hydraulisch gedĂ€mpften Federbeinen und dem neuen Motor in 4-Gang-AusfĂŒhrung ausgestattet. Vor allem fĂŒr Bergauffahrten und Soziusbetrieb ergab sich daraus eine weitere Verbesserung der Fahrleistungen. StĂŒckzahl: 124.500; Motor M541KFR. Der Einzelhandelsverkaufspreis fĂŒr dieses Rollermodell lag bei 1755 Mark. Die Farbgebung war bis 1984 das gelbliche saharabraun, spĂ€ter krĂ€ftig biberbraun.
Modell KR 51/2 L
In diesem Luxusmodell war ĂŒber die Ausstattung der E-Schwalbe hinausgehend eine wartungsfreie elektronische ZĂŒndanlage montiert und dadurch gleichzeitig die Scheinwerferleistung auf 35/35 W erhöht worden. Der Wegfall des mechanischen Unterbrechers erhöhte die Alltagstauglichkeit, da die ZĂŒndanlage nun weitgehend verschleiĂ- und wartungsfrei arbeitete. Als Antrieb wurde der Motor M541 KFR verwendet. Die Farben dieses Modells waren erst Kirschrot und ab 1982 BillardgrĂŒn.
Technische Daten
| | KR 51/2N | KR51/2E | KR 51/2L |
|---|---|---|---|
| Bauzeit | 1980â1986 | 1980â1986 | 1980â1986 |
| Motor | M 531KFR | M 541KFR | M 541KFR |
| Hubraum | 49,9 cmÂł | 49,9 cmÂł | 49,9 cmÂł |
| Verdichtung | 9,5:1 | 9,5:1 | 9,5:1 |
| Leistung | 2,7 kW (3,7 PS) / 5500/min | 2,7 kW (3,7 PS) / 5500/min | 2,7 kW (3,7 PS) / 5500/min |
| KĂŒhlung | Fahrtwind | Fahrtwind | Fahrtwind |
| Getriebe | 3-Gang- FuĂschaltung | 4-Gang- FuĂschaltung | 4-Gang- FuĂschaltung |
| Rahmen | Doppelrohr | Doppelrohr | Doppelrohr |
| RadfĂŒhrung vorn | Langschwinge mit Federbein | Langschwinge mit Federbein | Langschwinge mit Federbein |
| RadfĂŒhrung hinten | Schwinge mit Federbein | Schwinge mit Federbein | Schwinge mit Federbein |
| Bereifung | 2,75 Ă 16" (alte Bezeichnung 20 Ă 2,75) | 2,75 Ă 16" (alte Bezeichnung 20 Ă 2,75) | 2,75 Ă 16" (alte Bezeichnung 20 Ă 2,75) |
| Gewicht | 80 kg | 81,5 kg | 81,5 kg |
| Nutzlast | 180 kg | 178,5 kg | 178,5 kg |
| Höchstgeschwindigkeit | 60 km/h | 60 km/h | 60 km/h |
| StĂŒckzahl | 90.800 | 124.500 | 84.900 |
Zubehör
Folgendes Originalzubehör war fĂŒr die Schwalbe erhĂ€ltlich:
âą Es dĂŒrfen ausschlieĂlich AnhĂ€nger des Metallkombinats Heldrungen (MKH), spĂ€ter Metallwerke Heldrungen (MWH) vom Modelltyp M1, M2 und M3 gezogen werden. Andere Modelle sind trotz konstruktiver Ăhnlichkeiten auch nach entsprechenden technischen Anpassungen unzulĂ€ssig.
âą Das Gesamtgewicht des AnhĂ€ngers darf 60 kg nicht ĂŒberschreiten.
âą Kindersitzcite-ref-22[22]
âą Der Sitz ist zugelassen fĂŒr eine Höchstbelastung von 20 kg fĂŒr Kinder bis zum vollendeten 6. Lebensjahr.
âą Bei Anbau der Kindersitzes ist das MitfĂŒhren eines AnhĂ€ngers ausgeschlossen.
âą Bei der Benutzung des Kindersitzes darf die zulĂ€ssige Achslast und die zulĂ€ssige Gesamtmasse des Fahrzeuges nicht ĂŒberschritten werden.
âą Kniedecke
âą eine am Lenker zu montierende Windschutzscheibe,cite-ref-23[23] die unterhalb angebrachten Lederlappen schĂŒtzen die HĂ€nde vor Fahrtwind und Regen
Verbreitung und GesamtstĂŒckzahl
Die Schwalbe war das erste zweisitzige Kleinkraftrad von Simson. Sie wies deutlich bessere Gebrauchseigenschaften auf als der ebenfalls in der DDR erhĂ€ltliche zweisitzige Kleinroller Jawa 05. Ganz wesentliche Sympathien gewann die 50er-Klasse aus der DDR dank der Festlegung der StVZO-DDR, nach der motorisierte ZweirĂ€der mit einem Hubraum bis 50 cmÂł und mit einer erreichbaren Höchstgeschwindigkeit von 60 km/h bereits von Personen gefahren werden durften, die ihr 15. Lebensjahr vollendet hatten. Allerdings bevorzugten Jugendliche zu DDR-Zeiten in der Regel die sportlicheren Mokick-Modelle Star und Habicht und spĂ€ter die S50/S51-Reihe. Die Schwalbe war jedoch in breiten Altersgruppen ĂŒberaus beliebt. Zeitweise war die Nachfrage so hoch, dass keine neuen Bestellungen mehr angenommen wurden.cite-ref-kft1968-13-3[13] Beteiligt daran war der auch fĂŒr damalige VerhĂ€ltnisse geringe Neupreis von anfangs 1265 Mark.
Einen gewissen Kultstatus erlangte sie bereits damals durch den Film Schwester Agnes von 1975. Nach 1990 entwickelte sich die Schwalbe zunĂ€chst im Westen zu einem Kultfahrzeug, noch heute befinden sich die meisten Schwalbe-Fanclubs in Westdeutschland. Inzwischen gilt sie jedoch auch in ihrer Heimat als ein beliebter Klassiker. Im Jahre 2015 waren in Deutschland schĂ€tzungsweise 150.000 Schwalben fĂŒr den StraĂenverkehr zugelassen.cite-ref-24[24]
Ăber die produzierte GesamtstĂŒckzahl existieren voneinander abweichende Angaben. Neben der Angabe von 1 058 300 produzierten Fahrzeugencite-ref-25[25] findet sich am ehemaligen WerksgebĂ€ude eine Plakette, die eine GesamtstĂŒckzahl von 1 176 640 ausweist.
Export
Bereits 1964 wurden Schwalben nach Marokko, Griechenland, Iran und in die TĂŒrkei exportiert.cite-ref-26[26] SpĂ€ter wurde die Schwalbe jedoch vorrangig fĂŒr den Inlandbedarf produziert und nur in geringem Umfang exportiert.cite-ref-kftjun79-15-1[15] Dementsprechend sind Export-Schwalben recht selten und waren entsprechend der lĂ€nderspezifischen Gesetzeslage anders ausgestattet. Die nach Ungarn exportierten Fahrzeuge hatten teilweise keine Blinker, keine Sozius-FuĂrasten und waren durch Ănderungen an Vergaser, Auspuff, Zylinder und Ritzel teilweise auf 40 km/h gedrosselt. Auch das Farbprogramm wich vom regulĂ€ren Angebot ab. Einen offiziellen Export in die BRD gab es nicht. Die heute in Westdeutschland vorkommenden Schwalben gelangten erst nach der Wiedervereinigung dorthin.
Ersatzteillage
Dank des Baukastenprinzips sind viele Simson-Teile standardisiert und universell verwendbar. So kann zum Beispiel das Rad von vorn nach hinten und sogar zwischen den meisten Simson-Modellen getauscht werden. Die Schwalbe hat sehr viel gemeinsame Teile mit anderen Modellen der Vogelserie. Bis auf wenige Ausnahmen sind noch alle Ersatzteile auf dem Gebrauchtteile-Markt zu bekommen. Die Ersatzteillage ist auĂerdem durch diverse Reproduktionen gesichert. Die MZA (Meyer-Zweiradtechnik Ahnatal) GmbH aus Vellmar bei Kassel stellt fast alle Ersatzteile fĂŒr die Schwalbe (wie auch fĂŒr alle anderen SIMSON-Baureihen) neu her, allerdings erreicht man dabei hĂ€ufig nicht die QualitĂ€t und Passgenauigkeit der Originalersatzteile.
Vor- und Nachteile
Vorteile
âą Die Schwalbe darf mit der FĂŒhrerscheinklasse AM (vorher M) gefahren werden, obwohl sie eine Höchstgeschwindigkeit von 60 km/h erreicht. Laut Einigungsvertrag und Fahrerlaubnisverordnungcite-ref-27[27] dĂŒrfen in Deutschland Ein- und Mehrspurfahrzeuge der ehemaligen DDR mit maximal 50 cmÂł Hubraum trotz einer (in der DDR zulĂ€ssig gewesenen) Höchstgeschwindigkeit von 60 km/h immer noch mit der Klasse AM gefahren und als Kleinkraftrad versichert werden, sofern sie vor dem 28. Februar 1992cite-ref-28[28] erstmals in den Verkehr kamen. Eigentlich ist die Klasse AM EU-weit auf Fahrzeuge mit einer bauartbedingten Höchstgeschwindigkeit von bis zu 45 km/h beschrĂ€nkt.
âą Infolge der Einstufung als Kleinkraftrad unterliegt die Schwalbe (wie auch andere hubraumgleiche Einspurfahrzeuge der ehemaligen DDR) nicht der Verpflichtung, sich regelmĂ€Ăig der Hauptuntersuchung (HU) unterziehen zu mĂŒssen; eine Kraftfahrzeugsteuer wird â wenigstens in der Bundesrepublik â gleichfalls nicht erhoben.
âą Die Technik ist anspruchslos, ausgereift und zuverlĂ€ssig. Der Umbau auf zeitgemĂ€Ăe Elektrik (12 V, moderne ZĂŒndung, LED-Licht) ist ohne groĂen Aufwand möglich.
âą Dank MagnetzĂŒndung gibt es mit der Schwalbe bei entladener oder defekter Batterie keine Startprobleme. Auch Scheinwerfer, RĂŒcklicht, Bremslicht und Tachobeleuchtung bleiben in diesem Fall funktionstĂŒchtig.
âą Durch die wartungsfreundliche Konstruktion sind viele Reparaturen ohne groĂen Aufwand durchfĂŒhrbar, generell sind die Unterhaltskosten gering.
âą Die Schwalbe ist dank ihres altmodischen und markanten Designs â wie die Vespa â zum Kultfahrzeug avanciert.
âą Die Ersatzteilversorgung ist meist sehr gut und gĂŒnstig, was einerseits am genannten Baukastenprinzip und einer hohen in der DDR produzierten StĂŒckzahl liegt und andererseits auch an einer Vielzahl an nachproduzierten Teilen. AuĂerdem wurden zu DDR-Zeiten viele Ersatzteile âgebunkertâ, sodass es auch heutzutage noch viele unbenutzte Originalteile zu vertretbaren Preisen gibt.
Nachteile
âą Die VorderradfĂŒhrung der Schwalbe an einer Langschwinge bietet zwar einen deutlich besseren Federungskomfort als etwa die Kurzschwinge der Vespa. Allerdings neigt sie konstruktionsbedingt zu leichtem Lenkerpendeln,cite-ref-kft1968-13-4[13] vor allem bei Belastung des GepĂ€cktrĂ€gers oder verschleiĂbedingt. Deutliches Lenkerpendeln kann auf ein ausgeschlagenes Stirnrohr hinweisen, wodurch die Lenkkopflager nicht mehr festsitzen (tritt hĂ€ufiger auf). Weitere hĂ€ufige Ursachen sind ein nicht reparierter Unfallschaden (verzogener SchwingentrĂ€ger und/oder verzogene Schwinge), sowie unrund laufende RĂ€der oder ungleichmĂ€Ăig abgefahrene Reifen.
âą Die fĂŒr RollerverhĂ€ltnisse groĂen LaufrĂ€der ermöglichen einen stabilen Geradeauslauf. In schnellen Kurvenwechseln ist die FahrstabilitĂ€t jedoch infolge des relativ hohen Schwerpunkts und des gekröpften Lenkers etwas beeintrĂ€chtigt.
âą Wegen der groĂen Sitzhöhe haben kleinere Personen beim Aufsteigen Schwierigkeiten sowie Probleme, sich auf der Schwalbe im Stand mit den FĂŒĂen sicher abzustĂŒtzen, was auch in damaligen Testberichten kritisiert wurde. Die Sitzhöhe war bedingt durch den unter der Sitzbank untergebrachten Tank mit Fallbenzinsystem zum relativ hoch liegenden Motor.cite-ref-kft1968-13-5[13]
âą Bei den frĂŒheren AusfĂŒhrungen (bis 1979) können auch in technisch einwandfreiem Zustand störende Vibrationen in Lenkergriffen und Sitzbank auftreten.
âą Der Rahmen der KR-51/2-Baureihe kann an der MotoraufhĂ€ngung reiĂen, bei der Ă€lteren 51/1-Baureihe ist das nur selten der Fall, da hier eine weitere Halterung am Zylinderkopf vorhanden ist.
âą Die UnterbrecherzĂŒndung (alle auĂer Modell L) erfordert regelmĂ€Ăige Wartung.
âą Das Blechkleid der Schwalbe erschwert den Zugriff auf die Technik (zum Beispiel ist der Benzinhahn erst nach Abnahme der Heckverkleidung demontierbar).
âą Da es kaum noch Tankstellen gibt, die Zapfstellen fĂŒr Zweitakt-Kraftstoff (Benzin-Ăl-Gemisch im VerhĂ€ltnis 1:33 bzw. 1:50) anbieten und die Schwalbe in Ermangelung einer automatischen Ăldosiereinrichtung nur gemischten Kraftstoff verarbeiten kann, ist meistens Selbstmischung erforderlich.
Literatur
âą Florian Rolke: Slow Way Down â Mit der Simson Schwalbe von Hamburg nach Kapstadt. Verlag Kastanienhof, ISBN 978-3-941760-12-7.
âą Schrader-Motor-Chronik âSchwalbe und Coâ
âą Schrader-Typen-Chronik: âSimson Schwalbe & Co. 1955â1991â
âą Erhard Werner: Das Schwalbe Buch â Ein Ratgeber. MZA-Verlag, ISBN 3-9809481-0-2.
âą Simson-Roller Schwalbe. MZA-Verlag, Vellmar 2004, ISBN 3-9809481-5-3.
Weblinks
Commons
: Simson Schwalbe
â Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
âą schwalbe-homepage.de
âą ddrmoped.de
âą schwalbennest.de
âą schwalben-welt.de
âą schwalbepilot.de
âą zweiradmuseum-mv.de: Zweiradmuseum in Mecklenburg-Vorpommern
âą myschwalbe.com
⹠Elektrische SchaltplÀne verschiedener Simson-Modelle
âą Simone Unger: Schwalbe, Simson und ein Star. (mp3-Audio; 27 MB; 29:32 Minuten) In: MDR-Kultur-Sendung âFeatureâ. 23. Mai 2022; abgerufen am 24. Mai 2022.
Einzelnachweise
cite-note-11. â EICMA 2014: Die E-Schwalbe kommt nun von Govecs. In: motorsport-total.com. 11. November 2014, abgerufen am 11. Februar 2016.
cite-note-myschwalbe-22. â MySchwalbe. Abgerufen am 7. Oktober 2017.
cite-note-33. â Schwalbe Gezwitscher â Das Magazin zum JubilĂ€um, Suhler Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG, 2014, S. 9
cite-note-44. â Kraftfahrzeugtechnik beurteilt KR 51 âSchwalbeâ. In: Kraftfahrzeugtechnik 4/1964, S. 147â150.
cite-note-55. â Star und Schwalbe Motor M53 KHL. In: Kraftfahrzeugtechnik 9/1964, S. 335â338.
cite-note-66. â Star und Schwalbe Motor M53 KHL. In: Kraftfahrzeugtechnik 9/1964, S. 335â338.
cite-note-77. â Simson Kleinroller KR 51 "Schwalbe". In: Kraftfahrzeugtechnik 2/1964, S. 56â61.
cite-note-88. â NadeldĂŒsenvergaser von BVF. In: Kraftfahrzeugtechnik. Nr. 8, 1965, S. 296â299.
cite-note-99. â Einige Gedanken ĂŒber Vergasereinstellungen an Mopedmotoren. In: Kraftfahrzeugtechnik 12/1965, S. 454â455.
cite-note-1010. â Simson Kleinroller KR 51 "Schwalbe". In: Kraftfahrzeugtechnik 2/1964, S. 56â61.
cite-note-1111. â Kraftfahrzeugtechnik beurteilt KR 51 âSchwalbeâ. In: Kraftfahrzeugtechnik 4/1964, S. 147â150.
cite-note-1212. â Weiterentwicklungen: KLEINROLLER KR 51/1 MOKICK SR 4-2/1. In: Kraftfahrzeugtechnik. 3/1968, Titelblatt und S. 71â74.
cite-note-kft1968-1313. â KFT beurteilt Kleinroller Schwalbe KR 51/1 S. In: Kraftfahrzeugtechnik 11/1968, S. 338â339; 349.
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cite-note-2121. â 2Radgeber: Simson AnhĂ€nger #1 - AnhĂ€ngertypen und Voraussetzungen. Abgerufen am 26. MĂ€rz 2021.
cite-note-2222. â HOFFMANN & SIEGLING KG. - 6051 ST.KILIAN/THĂR. Metall- und Lederwarenfabrik: Montage-Anleitung fĂŒr Kindersitz fĂŒr Simson Kleinroller KR 51 und KR 50. (PDF) Abgerufen am 26. MĂ€rz 2021.
cite-note-2323. â ddrmoped.de :Bild Windschutzscheibe fĂŒr Lenkermontage, aufgerufen am 21. Juli 2012
cite-note-2424. â Hans-W. Mayer: Die Schwalbe beflĂŒgelte einst die MobilitĂ€t in der DDR. In: VDI nachrichten vom 16. Oktober 2015, S. 38.
cite-note-2525. â Schwalbe Gezwitscher â Das Magazin zum JubilĂ€um, Suhler Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG, 2014, S. 6
cite-note-2626. â Simson-"Vögel" in 50 LĂ€ndern. In: Kraftfahrzeugtechnik 12/1964, S. 475.
cite-note-2727. â § 76 Nr. 8 der Fahrerlaubnis-Verordnung, â§ 6 Abs. 1 zu Klasse Mâ; Anlage I Kapitel XI Sachgebiet B â StraĂenverkehr Abschnitt III des Einigungsvertrages
cite-note-2828. â Fahrerlaubnisverordnung auf verkehrsportal.de